Tagebuch schreiben, um Gewohnheiten zu ändern


Das Leben ist eine einzige lange Geschichte. Jeden Tag beginnst du quasi mit einem neuen Kapitel. Das Problem ist, dass wir unglaublich viel vergessen. Tagebuch schreiben kann dir in vielerlei Hinsicht helfen, dein Leben intensiver und bewusster zu leben. Auch wer Gewohnheiten ändern möchte, sollte sich unbedingt einmal mit diesem Thema auseinandersetzen und es ausprobieren.

Kerngewohnheiten

Vor einiger Zeit habe ich eine Studie gelesen, in der gesagt wurde, dass Vegetarier seltener übergewichtig sind als «normale» Esser. Der naive Umkehrschluss wäre also, dass man alleine durch die vegetarische Ernährung abnimmt. So einfach ist es aber nicht. Neben dem Essverhalten bezogen die Forscher noch weitere Variablen mit in die Studie ein. Beispielsweise wollten sie auch wissen, wie oft jemand Sport treibt oder wie wichtig das Thema Ernährung im Leben sei. Die Studie fand heraus, dass Vegetarier öfters Sport treiben und dass bei ihnen Essen eine grössere Wichtigkeit im Leben einnimmt.

Der Grund, weshalb Vegetarier seltener übergewichtig sind, liegt nicht nur an der Ernährung. Vielmehr zeigen Vegetarier zahlreiche weitere Verhaltensweisen, die ein Normalgewicht fördern. Oder anders ausgedrückt: Wenn du dich dazu entscheidest, Vegetarier zu werden, wirst du mit grosser Wahrscheinlichkeit mit der Zeit auch andere Gewohnheiten ändern.

So einen ähnlichen Effekt hast du vielleicht auch schon mal bei dir selber realisiert. Nachdem du intensiv Sport getrieben hast, hattest du vielleicht auch gleich das Bedürfnis, etwas Gesundes zu essen.

Es gibt also so etwas wie «Kerngewohnheiten» (engl. Keystone Habits). Gewohnheiten, die wie bei einer Kettenreaktion auch noch weitere Gewohnheiten beeinflussen. Solche Kerngewohnheiten können sowohl positiv wie auch negativ sein. Ein wenig mehr Sport kann dazu führen, dass du produktiver bei der Arbeit wirst, seltener rauchst, mehr Zeit mit den Freunden verbringst und und und.

Eine solche Kerngewohnheit, die einen grossen positiven Einfluss haben kann, ist auch das Führen eines Tagebuchs.

Warum in ein Tagebuch schreiben?

Ein Tag ist lang. Wir erleben an einem Tag extrem viel. Mit wie vielen Meschen hast du heute gesprochen? Wie viele Internetseiten hast du besucht?

Unser Gehirn funktioniert so, dass es die tausenden von Inputs, die es jede Sekunde aufnimmt, nach bestimmten Kriterien filtert. Wenn du gerade konzentriert am Computer einen Text schreibst, wirst du allenfalls das Gespräch zweier Arbeitskollegen nicht wahrnehmen, das zeitgleich in deinem Büro stattfindet.

Und wenn du aktuell darüber nachdenkst, ein neues Auto zu kaufen, siehst du plötzlich auf der Strasse nur noch jene Autos, die für dich für einen Kauf in Frage kommen.

Nach welchen Kriterien ein Gehirn die Inputs filtert, dazu später mehr.

Kommen wir noch zu einem weiteren wichtigen Thema: Das Vergessen.

Wir vergessen sehr viel.

Wenn ich dich frage, was du heute alles gemacht hast, kommen dir spontan wohl nur wenige Sachen in den Sinn. Erst wenn du dich konzentrierst und dir Zeit nimmst, kannst du deinen gesamten Tag rekonstruieren. Beinahe unmöglich wird es, wenn ich dich frage, was du vor zwei Monaten gemacht hast.

Das Vergessen hat Vor- und Nachteile. Ich bin froh, dass ich die Handlung von einigen schlechten Filmen schnell vergessen kann. Es ist aber traurig, dass ich manchmal lustige Erlebnisse mit Freuden vergesse.

Fassen wir nochmals zusammen: Unsere Wahrnehmung und Erinnerung sind sehr selektiv. Gewisse Dinge nehmen wir wahr, gewisse nicht. Gewisse Dinge bleiben uns im Gedächtnis, gewisse nicht.

Denk nicht an einen blauen Elefanten

Du kennst es. Es ist quasi unmöglich, nicht an einen blauen Elefanten zu denken. Und das nur, weil ich das in einem Satz geschrieben habe. Das zeigt uns, wie einfach wir unsere Wahrnehmung beeinflussen können. Genau hier zeigt sich die grosse Stärke des Tagebuchs.

Führe ein Tagebuch, in dem du dich täglich an 2-3 lustige/postive Erlebnisse erinnerst. Schreibe ebenfalls über mindestens eine Situation, die dich deinem Ziel einen Schritt näher gebracht hat.

Mit dieser Technik beeinflusst du deine Wahrnehmug. Nach einer gewissen Zeit wird es dir immer leichter fallen, dich an positive/lustige Erlebnisse zu erinnern. Das wird dazu führen, dass du bereits tagsüber öfters positive Erlebnisse hast. Das wiederum führt dazu, dass du dich besser fühlst. Das wiederum wird vielleicht dazu führen, dass du mutigere Entscheidungen triffst, …

Du kreierst so also einen “positiven Teufelskreis” (Gibts dafür einen besseren Ausdruck? Eine positive Spirale nach oben? Einen Engelskreis?)

Fazit Tagebuch schreiben

Was du wahrnimmst und was du in Erinnerung behältst, definiert dein Leben. 5 Freunde verbringen zusammen einen Abend. Fragt man die 5 Personen am Ende des Abends, wie es war, werden sie ganz unterschiedlich antworten. Jemand wird vielleicht sagen, dass es kein spezieller Abend war, weil die Musik in Club XY sehr schlecht war. Ein anderer wird sagen, dass es ein genialer Abend war, weil er unglaublich viel gelacht hat.

Tagebuch schreiben ist die beste Trainingsmethode, um deine Wahrnehmung zu steuern. Du kannst damit beispielsweise trainieren, alle lustigen Momente eines Tages wahrzunehmen und sie nicht zu vergessen. Du kannst deine Wahrnehmung trainieren, wie du willst.


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