Die Macht der kleinen Veränderungen: Die 80/20-Regel für dich nutzen!


Wenn du Gewohnheiten oder Verhaltensmuster ändern möchtest, solltest du dir dessen bewusst sein: (1) Kleine Veränderungen führen über längere Zeit zu grossen Unterschieden. (2) Wer die 80/20-Regel versteht und sie für sich anwenden kann, wird schneller seine Ziele erreichen. Dieser Artikel hier basiert auf einem Kapitel vom James Clear (Atomic Habits), das ich gelesen habe und das mir lange nicht mehr aus dem Kopf ging.  

Das Pareto-Prinzip (oder die 80/20-Regel)

Pareto Vilfredo studierte den Wohlstand unterschiedlicher Nationen. Zunächst analysierte er die Vermögensverteilung in Italien. Zu seiner Überraschung stellte er fest, dass etwa 80% des Landes in Italien im Besitz von lediglich 20% der Bevölkerung waren.

Pareto führte seine Analyse in weiteren Nationen fort und ein Muster begann sich abzuzeichnen. So stellte er nach Durchsicht der britischen Einkommenssteuerunterlagen fest, dass etwa 30% der Bevölkerung in Grossbritannien etwa 70 % des gesamten Einkommens erwirtschafteten.

Im Verlaufe seiner weiteren Recherchen kam er zum Schluss, dass sich dieser Trend bemerkenswert oft zeigt. Die Mehrheit der Gewinne schien immer einem geringen Prozentsatz der Menschen zu gehören. Diese Vorstellung, dass eine kleine Anzahl von Faktoren die Mehrheit der Ergebnisse ausmacht, wurde als Pareto-Prinzip oder, häufiger, als 80/20-Regel bekannt.

80/20-Regel ist überall

Wenn wir genauer hinschauen, sehen wir, dass die 80/20-Regel in sehr vielen Bereichen vorkommt. Schauen wir uns beispielsweise die NBA (amerikanische Basketballliga) an, sehen wir, dass es in den vergangenen Jahren fast immer die gleichen wenigen Teams waren, die die Meisterschaft gewonnen haben. Wenige Teams machen also den Grossteil der Erfolge unter sich aus.

Auch im Fussball ist das nicht anders. An den ersten 20 WM-Turnieren haben insgesamt 77 verschiedene Teams teilgenommen. Es waren aber drei Nationen (Brasilien, Deutschland und Italien), die 13 der ersten 20 Turniere gewonnen haben.

Oder hier noch weitere Beispiele. Im Jahr 2013 kontrollierten 8,4% der Weltbevölkerung 83,3% des Weltvermögens. Im Jahr 2015 wurden 64% der Suchanfragen von einer Suchmaschine, Google, beantwortet.

Erklärung der 80/20-Regel

Weshalb geniessen einige wenige Menschen, Teams und Organisationen den Grossteil der Gewinne? Um zu verstehen, weshalb es die 80/20-Regel gibt, schauen wir uns am besten mal ein Beispiel aus der Pflanzenwelt an.

Der Regenwald des Amazonasgebiets ist eines der vielfältigsten Ökosysteme der Erde. Wissenschaftler haben etwa 16.000 verschiedene Baumarten im Amazonas katalogisiert. Doch trotz dieser bemerkenswerten Vielfalt haben Forscher entdeckt, dass es ca. 227 dominante Baumarten gibt, die fast die Hälfte des Regenwaldes ausmachen. Nur 1,4% der Baumarten machen 50% der Bäume im Amazonasgebiet aus.

Aber warum?

Stell dir vor, wie zwei verschiedene Pflanzen nebeneinander wachsen. Jeden Tag werden sie um Sonnenlicht und Boden miteinander in Wettbewerb stehen. Wenn eine Pflanze nur ein ganz wenig schneller als die andere wachsen kann, verschafft sie sich dadurch grosse Vorteile: Sie bekommt mehr Sonnenlicht und kann mehr Regen aufnehmen. Am nächsten Tag lässt diese zusätzliche Energie die Pflanze noch weiter nachwachsen. Dieses Muster setzt sich fort, bis die stärkere Pflanze die andere verdrängt.

Von dieser günstigen Position aus hat die Siegerpflanze eine höhere Kapazität, um Samen zu streuen und sich zu vermehren. Dadurch hat die Art in der nächsten Generation einen noch besseren Lebensraum. Dieser Prozess wiederholt sich immer wieder, bis die Pflanzen, die etwas besser als die Konkurrenz abschneiden, den gesamten Wald beherrschen.

Wissenschaftler bezeichnen diesen Effekt als “akkumulativen Vorteil”. Was als kleiner Vorteil beginnt, wird mit der Zeit grösser. Eine Pflanze braucht am Anfang nur einen leichten Vorsprung, um die Konkurrenz zu verdrängen und den gesamten Wald zu erobern.

Die Macht der kleinen Unterschiede

Etwas Ähnliches passiert in unserem Leben.

Wie die Pflanzen im Regenwald stehen auch Menschen häufig im Wettbewerb um die gleichen Leistungen. Politiker konkurrieren um die gleichen Stimmen. Autoren konkurrieren um den gleichen Platz an der Spitze der Bestsellerlisten. Athleten kämpfen um die gleiche Goldmedaille. Oft ist der Leistungsunterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Rang relativ gering. Aber die Belohnungen sind überdimensional gross. Der Gewinner bekommt «alles», der Zweitplatzierte verhältnismässig beinahe «nichts». Man gewinnt nur, weil man vielleicht um 1% oder 1 Sekunde besser war. Aber als Sieger bekommt man 100% des Gewinnes.

Der Vorteil, ein bisschen besser zu sein, ist nicht ein bisschen mehr Gewinn, sondern der gesamte Ertrag. Der Gewinner bekommt 1 und der Rest 0.

Auswirkungen von kleinen Unterschieden

Wer einmal gewonnen hat, kann sich dadurch oft immer mehr Vorteile anhäufen, die es ihm erleichtern, das nächste Mal wieder zu gewinnen. Was mit einer kleinen Marge begann, entwickelt sich zur 80/20-Regel.

Wenn die eine Strasse etwas bequemer ist als die andere, dann fahren mehr Menschen auf ihr und es werden wahrscheinlich mehr Geschäfte an ihr entlang aufgebaut. Wenn mehr Unternehmen entstehen, haben Menschen zusätzliche Argumente, die Strasse zu nutzen und somit wird sie noch stärker befahren … Die 80/20-Regel …

Wenn ein Autor auf die Bestsellerliste kommt, werden sich die Verlage vermehrt für sein nächstes Buch interessieren. Wenn das zweite Buch erscheint, wird der Verlag mehr Mittel und Marketingmöglichkeiten zur Verfügung stellen, wodurch es einfacher wird, ein zweites Mal die Bestsellerliste zu erobern. Bald fängt man an zu verstehen, warum sich einige wenige Bücher millionenfach verkaufen, während die Mehrheit mit dem Verkauf einiger tausend Exemplare Mühe hat … Die 80/20-Regel …

Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden.

Kleine Unterschiede nutzen

Kleine Unterschiede oder Veränderungen führen über längere Zeit zu grossen Unterschieden. Unterschätze niemals die Wirkung einer kleinen Entscheidung, wenn es darum geht, Gewohnheiten zu ändern. Indem du bewusst versuchst, täglich kleine Änderungen vorzunehmen, lässt du die 80/20-Regel für dich arbeiten.


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