Gewohnheiten ändern vs. Identität ändern


Gewohnheiten ändern ist nicht immer einfach. Es ist insbesondere dann sehr frustrierend, wenn man neue Gewohnheiten für einige Wochen oder Monate anwenden konnte, dann aber trotzdem wieder in alte Verhaltensmuster verfiel. Ein Grund weshalb du es noch nicht geschafft hast, Gewohnheiten langfristig zu ändern, kann dein Fokus oder deine Zielsetzung sein. Willst du Gewohnheiten ändern, um lediglich ein spezifisches Ziel zu erreichen oder willst du deine Identität ändern? Mit einer unreflektierten Zielsetzung ist Scheitern sehr wahrscheinlich.

Gewohnheiten ändern vs. Identität ändern

Es gibt einen grossen Unterschied zwischen Gewohnheiten und deiner Identität. Wenn du dich selber als unsportliche Person siehst, ist es schwierig, regelmässigen Sport als Gewohnheit zu etablieren. Warum? Weil du dich grundsätzlich eben gar nicht als sportlich wahrnimmst. Du wärst es gerne, aber im Innern “weisst” du, dass du es eigentlich gar (noch) nicht bist.

Um dein Verhalten oder um Gewohnheiten langfristig ändern zu können, musst du aber daran glauben, dass du jetzt diese Person bist, die diese neuen Dinge tut. Du musst also nicht nur an dieser einen Gewohnheit arbeiten, sondern auch an deinem Selbstbild.

Ziele wie „Ich möchte abnehmen!“ oder „Ich möchte stärker werden!“ sind ungenau.

Ziele wie „Ich möchte 10 Kilo abnehmen!“ konzentrieren sich nur auf die Ergebnisse und nicht AUF DEINE IDENTITÄT.

3 Ebenen der Veränderungen

Wenn du Gewohnheiten ändern möchtest, arbeitest du bewusst oder unbewusst mit Zielen. Vielleicht hast du deine Ziele sogar aufgeschrieben und liest sie von Zeit zu Zeit als Motivationsspritze wieder durch. Was allerdings sehr wenige Menschen wissen, ist die Tatsache, dass es drei verschiedene Ebenen gibt, auf denen man Ziele formulieren kann. Diese Unterteilung stammt nicht von mir, sondern von James Clear.

Ergebnis-Ebene. Diese Ebene befasst sich mit einem konkreten Ziel oder einem konkreten Ergebnis: Abnehmen, ein Buch veröffentlichen, einen Wettbewerb gewinnen.

Prozess-Ebene. Wie der Name schon sagt, stehen bei solchen Zielen die Prozesse oder Systeme im Vordergrund. Beispielsweise möchtest du wöchentlich einen bestimmten Sport-Trainingsplan einhalten.

Identitäts-Ebene. Diese Ebene befasst sich damit, an was du glaubst, wie du die Welt siehst, deinem Selbstbild und wie du über dich und andere urteilst. Beispielsweise möchtest du eine sportliche Person werden. Dabei hast du ganz klare Vorstellungen, was eine sportliche Person ausmacht.

Viele Menschen konzentrieren sich beim Ändern von Gewohnheiten auf die konkreten Ziele. Solche ergebnisorientierten Ziele sind nicht per se schlecht. Sie stehen aber oft in Widerspruch mit unserem aktuellen Selbstbild. Aus diesem Grund fällt es uns dann schwer, solche Gewohnheiten auch wirklich langfristig in unser Leben zu integrieren. Stell dir vor, du hast dir als Ergebnisziel das Absolvieren dieses einen Marathons gesetzt. Dafür bist du auch motiviert, wöchentlich drei Ausdauertrainings zu machen (was du vorher noch nie gemacht hast). Bis zu diesem Marathon wirst du die wöchentlichen Trainings vielleicht durchziehen können. Aber was ist nach dem Marathon? Welchen Grund hast du jetzt, wöchentlich mehrere Ausdauertrainings zu machen?

Damit so etwas nicht passiert, brauchst du auch Identitätsziele. Mit diesen Zielen beginnst du nämlich, dich darauf zu konzentrieren, was für ein Mensch du (abgesehen von diesem einen konkreten Ziel) sein möchtest. Das Absolvieren des Marathons war dein Ergebnisziel. Wenn du dir zusätzlich auch noch zum Ziel gesetzt hast, eine sportliche Person zu werden, die das Laufen und die Bewegung liebt, dann wirst du mit grosser Wahrscheinlichkeit auch nach dem Marathon weiterhin Sport treiben.

Das Rezept für nachhaltigen Erfolg

Um mit identitätsbasierten Zielen zu arbeiten, musst du folgende zwei Aspekte berücksichtigen:

1. Befasse dich konkret damit, was du für eine Person werden möchtest. Wofür willst du stehen? Was sind deine Prinzipien und Werte? Wer möchtest du werden? Dies sind alles grosse Fragen und viele Menschen wissen nicht, wo sie anfangen sollen. Jedoch wissen sie genau, welche Ergebnisse sie sich wünschen: ein Sixpack bekommen, sich weniger ängstlich fühlen oder ihr Gehalt zu verdoppeln. Das ist auch gut: Fange bei den Ergebnissen an und arbeite dich rückwärts an die Person heran, die diese Ergebnisse erreichen könnte. Frage dich: „Welche Art von Person könnte die Ergebnisse erreichen, die ich mir wünsche?“

2. Beweise dir täglich, dass du diese Person bist. Nutze dafür bereits kleine Erfolge.

Einige Beispiele

Du möchtest abnehmen? 

Identität: Werde eine Person, die sich jeden Tag bewegt.

Kleiner Erfolg: Kaufe einen Schrittzähler. Gehe 50 Schritte, wenn du von der Arbeit nach Hause kommst. Gehe morgen 100 Schritte.

Du möchtest ein besserer Schriftsteller werden?

Identität: Werde eine Person, die jeden Tag 1000 Wörter schreibt.

Kleiner Erfolg: Schreibe diese Woche jeden Tag einen Paragraphen.

Du möchtest ein besserer Freund werden?

Identität: Werde eine Person, die immer in Kontakt bleibt.

Kleiner Erfolg: Rufe jeden Samstag einen Freund an.

Was ist deine Identität?

Wer sich langfristig verändern möchte, darf auf keinen Fall nur die Ergebnisse fokussieren. Viel wichtiger ist es, sich über seine neue Identität Gedanken zu machen. Noch wichtiger ist es dann, dass du im Alltag immer wieder Situationen wahrnimmst, in denen du deine neue Identität bestätigen kannst.


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