Warum bin ich oft unzufrieden? Das Positive an der Unzufriedenheit


Warum bin ich oft unzufrieden? Ich möchte doch so sehr zufrieden und glücklich sein. Am besten immer und jederzeit. Egal wann und egal wo. Und wenn wir das erreicht hätten, würden wir dann aber etwas anderes an uns ändern wollen, weil uns etwas Neues an uns, an unserem Umfeld oder an der Welt nicht passt. Woher kommt dieser ständige Wunsch nach Verbesserung und Optimierung?

Seien wir doch zu Beginn gleich mal ehrlich zueinander: Du bist nichts Besonderes! Wirklich! So leid es mir tut, aber du bist nicht viel anders als andere Menschen. Egal was du denkst oder machst, irgendwelchen Menschen auf der Erde wird es gleich gehen. Vielleicht gibt es einen Lebensbereich, in dem du dich als “besser als der Durchschnitt” bezeichnen kannst, aber das wars dann wohl auch schon. In den meisten Bereichen wirst du wohl doch eher durchschnittlich sein. Gleiches gilt auch für deine emotionale Innenwelt. Nicht nur du zweifelst ab und zu an dir oder der Welt! Nicht nur du hast Probleme!

Leiden und unglücklich sein, ist menschlich und ist überlebenswichtig

Wenn ich also nichts Besonderes bin, warum haben wir Menschen denn alle regelmässig das Gefühl, nicht gut/glücklich/stark/schön genug zu sein? Warum bin ich oft unzufrieden? Warum leiden wir gelegentlich? Warum schafft es wohl fast niemand, IMMER zufrieden zu sein und nicht an sich zu zweifeln?

Eine Antwort lässt sich vielleicht finden, wenn wir uns etwas näher mit der Evolutionspsychologie auseinandersetzen. Diese Richtung der Psychologie geht davon aus, dass ein Grossteil unseres Gehirns (und deren Funktionsweise) aus einer Zeit stammt, in der wir noch in Höhlen wohnten und Jäger und Sammler waren. Man geht davon aus, dass sich seither unsere Lebensumstände derart schnell entwickelt haben, dass unser Gehirn dabei nicht Schritt halten konnte. Wir leben in einer ultramodernen Welt, mit einem Gehirn, das für das Leben vor X-tausend Jahren entwickelt wurde.

Der Mensch ist ein Mängelwesen. Das bedeutet, dass wir anderen Spezies physisch unterlegen sind. Wir können im Vergleichen zu Tieren nichts besonders gut. Wir sind weder extrem schnell, noch haben wir aussergewöhnliche körperliche Stärken. Unsere grösste Waffe ist unser Verstand, der es uns erlaubt, für fast alle Probleme passende Lösungen zu suchen. Aber: Mit jedem Problem, das wir seither gelöst haben, sind neue Probleme entstanden. Es gibt keine endgültige Lösung. Weil sich alles entwickelt und ändert, braucht es immer neue Lösungen. Aufgrund dieser Gegebenheiten entwickeln wir uns weiter. So sind wir vom Feuer bis zum iPhone gekommen. So wurde aus der Erfindung des Rads das Elektroauto. Stillstand gibt und DARF ES NICHT geben. Denn wenn wir nicht auf der Hut gewesen wären, hätte es immer sein können, dass uns eine andere Spezies, die uns physisch überlegen gewesen wäre, ausgelöscht (oder zumindest bedroht) hätte.

Warum bin ich oft unzufrieden? Weil du dich dadurch weiterentwickelst.

Mit diesen Informationen scheint es nun auch logischer, weshalb es menschlich ist, unzufrieden zu sein. Zu leiden und unglücklich zu sein, ist die Garantie dafür, dass wir uns weiterentwickeln. Diese Bedürfnisse fungieren als starke menschliche Motivation.

Wie würde das Leben eines Menschen aussehen, der immer total glücklich, befriedigt und zufrieden wäre? Welchen Nutzen hätte eine solche Person für die Spezies “Mensch”? Geht es um das Überleben der Art, so scheint ein unzufriedener Mensch doch deutlich nützlicher? Ein Mensch, der das Bedürfnis verspürt, seine Situation zu verbessern, erhöht die Überlebenschance der gesamten Art.

Leiden und unglücklich sein akzeptieren

Um ein gesundes Leben führen zu können, solltest du nicht probieren, dem Leiden zu entrinnen oder Phasen des Unglücklichseins zu vermeiden. Nein, um ein gesundes Lebens zu führen, musst du solche Phasen akzeptieren und sie zu geniessen lernen. Wenn du das schaffst, kannst du erst wirklich etwas ändern und erreichen.

Schauen wir uns mal jene Menschen an, die wirklich etwas Besonderes sind. Da ist zum Beispiel Nelson Mandela, der seine Zeit im Gefängnis nie als sinnlos/traurig, sondern als Vorbereitungszeit bezeichnet hatte. 27 Jahre war er im Gefängnis! Eine sicherlich intensive Zeit, aus der er aber das BESTE herausgeholt hatte. Oder denken wir mal an alle Top-Sportler, die Schmerzen oder das Gefühl der Erschöpfung zu “lieben” gelernt haben, damit sie ihre Ziele erreichen konnten.

Jeder leidet und ist unglücklich – Aber über das “Wie?” oder “Warum?” entscheidest du!

Du entscheidest schlussendlich, welche Bedeutung du deinen Gefühlszuständen zuschreibst. Sehe einen Sinn darin, ab und zu zu leiden oder sich traurig/minderwertig zu fühlen. Denn ob du es willst oder nicht, diese Gefühle werden immer wiederkommen. Geniesse und nutze Sie, um ein gesünderes und schlussendlich auch glücklicheres Leben zu führne.


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